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Superblock in Holzbauweise
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Superblock in Holzbauweise

Kanadas Megaprojekt Waterfront Toronto bekommt mit dem Quartier Quayside eine vollelektrische und klimaneutrale Community. Die Highlights: 8.000 Quadratmeter urbaner Wald und das Timber House von Architekt David Adjaye.

Die kanadische Metropole Toronto hat in Sachen Stadtentwicklung ihre Hausaufgaben gemacht. „Think big“ lautet das Motto der Stadtplaner – ob in Downsview im Norden von Toronto oder im großen Revitalisierungsprojekt an der Hafenkante, der Waterfront Toronto. Dabei steht das „big“ nicht für die tatsächliche Größe, sondern für das „bigger picture“, also das große Ganze. Dafür reicht es ihnen nicht, Flächen zu bebauen und dazwischen etwas Grün einzustreuen. Die Task Force des Megaprojektes am Lake Ontario will einen Stadtteil schaffen, der das akute Problem der Klimakrise tatsächlich angeht. 

Das Quartier Quayside im Stadtentwicklungsgebiet Waterfront Toronto soll zum grünen Vorbild für andere Städte werden.

Die klimaneutrale Community

Der neue Masterplan für Quayside, einen Teilabschnitt der Hafenentwicklung, bringt unter anderem 800 leistbare Wohneinheiten, urbane Waldparks und konstruktiven Holzbau von beachtlicher Größe. Laut dem öffentlichen Entwicklungsmanagement Waterfront Toronto wird Quayside „die erste vollelektrische, klimaneutrale Community in dieser Größenordnung“.

Es ist der zweite Anlauf für den grünen Vorbildbezirk. Der erste Masterplan stammte vom Google-Schwesterunternehmen Sidewalk Labs, das eine ökologische und voll vernetzte Smart City vorsah. Das Projekt ist allerdings am Widerstand der Bürger gescheitert, die eine totale Überwachung fürchteten.

Drei namhafte Architekturbüros sind an der neuen Vision von Quayside beteiligt. Der kurvenreiche Bau Western Curve mit einer Vielzahl an runden Balkonen stammt vom Londoner Büro Alison Brooks Architects. Direkt daneben hat das dänische Architekturbüro Henning Larsen das Hochhaus Overstorey mit abgestuften Kubaturen geplant. Der wohl spektakulärste Baustein des nachhaltigen Quartiers ist das Timber House vom britischen Architekturbüro Adjaye Associates.

Waterfront Toronto, David Adjaye, Henning Larsen, Alison Brooks
Ein urbaner Wald zwischen den Häuserblöcken soll den Bewohnern Naherholung bietet und sogenannten Hitzeinseln in der Stadt entgegenwirken.

Ein Superblock in Holzbauweise

Es wird in zweiter Reihe, hinter den insgesamt fünf Hochhäusern, liegen und zur Gänze aus Holz gebaut sein. Erstrecken wird es sich über einen ganzen Straßenblock, und damit wird es nach seiner Fertigstellung zu den größten Holz-Wohnbauten Kanadas zählen. Am Dach der 12 Geschosse liegen Urban-Farming- und Garten-Anlagen, die nicht nur regionales Gemüse erzeugen, sondern auch zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen.

Wir wollen Quayside zu einer Community machen, die das Leben seiner Bewohner, Nachbarn und Besucher nachhaltig verbessert.

George Zegarac, Vorsitzender von Waterfront Toronto

In seiner langgestreckten und wehrhaften Form erinnert das Timber House an die Superblocks des Roten Wien. Auch in seinem sozialen Programm kann man durchaus Parallelen erkennen. Neben leistbarem Wohnraum mit hoher Lebensqualität und viel Grünraum soll es hier auch Wohnmöglichkeiten für alte Menschen geben. „Wir wollen Quayside zu einer Community machen, die das Leben seiner Bewohner, Nachbarn und Besucher nachhaltig verbessert“, formuliert es George Zegarac, der Vorsitzende von Waterfront Toronto.

The Overstorey, Henning Larsen
Henning Larsens Hochhaus-Entwurf The Overstorey besteht aus gestapelten Kubaturen.
Western Curve, Alison Brooks
Das runde Element zieht sich durch Alison Brooks‘ Entwurf Western Curve.

8.000 Quadratmeter urbaner Wald

Die intensiv begrünten Terrassen und Loggien des Timber House treffen auf das üppige Grün, das den Freiraum zwischen den Häuserblöcken füllt. Hier soll laut Entwurf ein urbaner Wald sprießen, der den Bewohnern Naherholung bietet und sogenannten Hitzeinseln in der Stadt entgegenwirkt.

Dieser 8.000 Quadratmeter große Community Forest wird von SLA Landscape Architects gestaltet. Das preisgekrönte Büro des dänischen Landschaftsarchitekten Stig Lennart Andersson ist auf sensorische urbane Räume spezialisiert. Die bewaldete Fläche bietet „ein Netzwerk an autofreien Grünflächen für Bewohner und Besucher“, wie es heißt.

Aerial, Quayside, Waterfront Toronto
Es grünt so grün: Von oben wirkt das Quartier Quayside nicht wie das urbane Zentrum einer Weltmetropole, sondern eher wie ein ländlicher Vorstadtbezirk.

Fluchträume für Wetterextreme

Was die Klimakrise angeht, so verfolgt Waterfront Toronto einen pragmatischen Ansatz. Neben all den Maßnahmen, die auf eine drastische Reduktion der Treibhausgas-Emissionen abzielen, setzen die Stadtplaner auch Maßnahmen, die den direkten Auswirkungen des Klimawandels Rechnung tragen. So gibt es die Auflage, dass alle Gebäude über Fluchträume verfügen müssen, in denen die Stromversorgung für 72 Stunden gesichert ist. 

Hier können sich Bewohner und Arbeitskräfte im Fall von Stromausfällen, Wetterextremen und anderen Notsituationen in Sicherheit bringen. „Auch wenn alle CO₂-Emissionen heute auf Null gesenkt würden, ist eine globale Erwärmung über 1,5 Grad Celsius in diesem Jahrhundert wahrscheinlich. Dies bedeutet, dass es einen Anstieg in der Stärke und Häufigkeit von Wetterextremen geben wird“, so die nüchterne Einschätzung der städtischen Entwicklungsgesellschaft. Und darauf will man in der Stadt von morgen vorbereitet sein.

Text: Gertraud Gerst
Visualisierungen: Waterfront Toronto

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