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Volvo präsentiert sich ganz in Holz
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Volvo präsentiert sich ganz in Holz

In Göteborg wächst ein Erlebniszentrum der besonderen Art: Der schwedische Fahrzeughersteller Volvo setzt bei seiner neuen „World of Volvo“ ganz auf Holzbau und Natur. Bauteile und Engineering für den Entwurf von Henning Larsen kommen von der österreichischen Firma Wiehag.

Schweden ist für Naturschönheit bekannt. Und diese liegt den Schweden auch am Herzen. Nicht umsonst ist das Jedermannsrecht „Allemansrätten“ wichtiger Teil der Landeskultur: Auf altem Gewohnheitsrecht basierend, dürfen sich alle Bürger auf jedem Grundstück frei bewegen. Verbunden mit dem Gebot „nicht zu stören und nichts zu zerstören“. Ein Grundrecht auf Natur, das allseits hochgehalten wird – vom Einzelnen bis hin zu Unternehmen. So lässt nun auch der legendäre schwedische Fahrzeughersteller Volvo sein neues Erlebniszentrum in diesem Sinne errichten: Die „World of Volvo“ in Göteborg setzt ganz auf Holzbau, Umwelt und Tradition.

Holzbau und Engineering aus Oberösterreich

Der Entwurf fürs nachhaltige Projekt stammt vom dänischen Top-Büro Henning Larsen, das den entsprechenden Wettbewerb für sich entschied. Die Bauarbeiten am 22.000 Quadratmeter großen Erlebniszentrum sind bereits in vollem Gang. Und das zu einem großen Teil in Österreich. Die gigantischen Träger und Stützen des Massivholzbaus werden nämlich vom oberösterreichischen Holzbau-Spezialisten Wiehag vorgefertigt.

Das Werk im oberösterreichischen Altheim ist eine der weltweit größten Produktionsanlagen ihrer Art. Hier werden die riesengroßen, geschwungenen Bauteile aus Brettschichtholz für das neue Volvo-Erlebniszentrum produziert und anschließend per Sondertransport nach Göteborg verfrachtet. „Wir liefern auch das dazugehörige Engineering und waren daher von Anfang an in die Planung des Bauwerks eingebunden“, erklärt Wiehag-Chef Erich Wiesner.

Attraktion für Göteborg

Was die Architekten planen, soll Geschichte, Grundwerte und Zukunftsvisionen von Volvo Cars und Volvo Group präsentieren. Und es soll einen neuen, einladenden Treffpunkt ins Zentrum Göteborgs setzen, der alle Stücke spielt. Mit Ausstellungen, Events, Gastronomie, Unterhaltung, Shopping und mehr. In grünem Umfeld, das Skandinaviens Landschaft ehrt und sich vor der Natur verneigt.

Markenpräsentation mit vielfältigem Zusatznutzen: „World of Volvo“ wird mit viel öffentlichem Grün und Programm aufwarten. (Bild: KVANT)
Markenpräsentation mit vielfältigem Zusatznutzen: „World of Volvo“ wird mit viel öffentlichem Grün und Programm aufwarten.

Die „World of Volvo“ entsteht in Göteborgs Event-Viertel, wo sich viele Museen, Parks und Unterhaltungseinrichtungen befinden. Sie wird voraussichtlich Ende 2023 fertiggestellt und 2024 für Besucher geöffnet. Kreisförmig angelegt, soll das Projekt die Besucher dazu verlocken, das Erlebniszentrum nach Lust und Laune zu genießen. Und zwar sowohl drinnen als auch draußen. Unabhängig davon, ob man Eintrittskarten für die Ausstellungen kauft oder nicht.

Unser Ziel war es, etwas in Form zu fassen, das für Schwedens Kultur und Lebensgefühl sehr wichtig ist.

Martin Stenberg Ringnér, Associate Design Director bei Henning Larsen

Visionär gepflegte Tradition

Die Holzkonstruktion der „World of Volvo“ ist das zukunftsweisendste und zugleich traditionellste Element des Projekts. Während Schweden (wie viele nordische Länder) eine lange Tradition im Holzbau hat, verfolgen die Architekten und Holzbau-Ingenieure hier einen sehr modernen Ansatz. Die Stützen und Träger sind aus Brettschichtholz gefertigt. Aus einem Holzprodukt, das aus mehreren Maßholz-Schichten besteht, die mit dauerhaftem, feuchtigkeitsbeständigem Konstruktionskleber verbunden sind. 

Typisch schwedisch, rund & offen

„Die runde Form der World of Volvo, die Materialität des Holzes, die Integration in die Landschaft und vor allem die Offenheit: All dies ist Teil einer zentralen kollektiven Identität“, beschreibt Henning Larsens Associate Design Director Martin Stenberg Ringnér.

Die Henning Larsen Architekten haben das Erlebniszentrum „World of Volvo” als rundum grünen Kreis designt. (Bild: Henning Larsen)
Die Henning Larsen Architekten haben das Erlebniszentrum als rundum grünen Kreis designt.

Mit Hilfe computergesteuerter Fertigung können die gebogenen Brettschichtholzteile präzise zugeschnitten werden. Für Stabilität und dauerhafte Haltbarkeit der Struktur sorgen Metallverbindungen, die im Inneren der Hölzer verborgen werden. Die Bodenplatten des Bauwerks werden aus lokalem Brettsperrholz gezimmert. 

Ein Hoch auf Holz

Filip Francati, Lead Design Architect bei Henning Larsen: „Die Architektur erlebt derzeit eine Renaissance des Holzes und beim Holzbau werden in rasantem Tempo neue Meilensteine erreicht. Doch trotz der Fortschritte in der strukturellen Entwicklung hat der ästhetische Ausdruck nicht Schritt gehalten“. Die „World of Volvo“ habe eine spannende Gelegenheit geboten, die Grenzen zu erweitern: „Wir hoffen, dass sie einen neuen Standard für die vielen Möglichkeiten der Verwendung von Holz in der Architektur setzen kann.“ 

Spannende Architektur in Holz: Nachts sieht das elegante Gebäude der „World of Volvo“ fast wie ein UFO aus. (Bild: KVANT)
Spannende Architektur in Holz: Nachts sieht das elegante Gebäude der „World of Volvo“ fast wie ein UFO aus.

Das leicht und freundlich anmutende Bauwerk, das Henning Larsen fürs neue Erlebniszentrum entworfen hat, wirkt tagsüber, als wäre es vor Ort „gewachsen“. Seine gebogenen „Äste“ und das Vordach folgen Vorbildern aus der umliegenden Natur. Ein gewollter und erreichter optischer Effekt. Denn das Architekten-Team hielt sich bei der Konzeption einen Berg und einen Baum vor Augen. Inspiration, die letztlich die Gestaltung des Geländes, der Gebäudebasis und des Holzbaus prägte.

Unser Ansatz bringt ein Stück heimische schwedische Natur mitten in die Stadt Göteborg.

Sonja Stockmarr, Global Design Director for Landscape bei Henning Larsen.

Mehr Grün für die Stadt

Das weitläufige, grüne Gelände, das den Neubau umgibt, holt Schwedens Natur ins Zentrum Göteborgs. „World of Volvo“ überzieht das Areal mit Blumen und einheimischen Pflanzen, die zwischen Felsen und verschlungenen Wegen gedeihen. Wie auch anderswo im Land sollen die Besucher die Landschaft nützen und genießen können, wie es ihnen gefällt. Selbstverständlich auch hier nach dem Prinzip „allemansrätten“ – also ohne Spuren zu hinterlassen. Damit auch das Projekt selbst möglichst vorteilhaft für Umwelt und Mensch gerät, strebt man LEED Gold und WELL Zertifizierung an.

Volvo präsentiert sich ganz in Holz (Bild: Henning Larsen)
Ausstellung (Punkt links oben), Bar (Mitte oben), Restaurant (rechts), Konferenzsaal (unten Mitte) und Arbeitsbereich (unten) werden im runden Bauwerk von viel Freiraum umgeben.

Henning Larsen Landscape-Designerin Sonja Stockmarr schildert die Basics des Grün-Plans so: „Die Landschaften der schwedischen Steinbrüche und Holzkonstruktionen aus Kiefern, Moos und Sträuchern des schwedischen Waldes bilden die Natur, die World of Volvo umgibt.“ Aus dem oben erwähnten „Berg“ wachsen drei riesige „Bäume“. Und deren „Stämme“ sind groß genug, um kleine Galerieräume, vertikale Zirkulation, Marken-Ausstellung und Servicefunktionen zu beherbergen.

Viel Platz zum Staunen

Der offene Raum zwischen diesen Bäumen ist weitgehend leer. Nur eine skulpturale Treppe, die die Ebenen und Ausstellungsstücke verbindet, zieht dort auch selbst Blicke auf sich. Und durch die raumhohen Glasfassaden wirkt das Innere des Baus als würde es nahtlos in die umgebenden Natur übergehen.

Volvo präsentiert sich ganz in Holz (Bild: KVANT)
Volvo präsentiert sich ganz in Holz (Bild: KVANT)

Das Gelände der „World of Volvo“ liegt am Mölndalsån. Es ist mit einer Promenade verbunden, die an dessen Ostufer bis zum Stadtzentrum von Göteborg führt. Mehrere grüne Verbindungen queren den Fluss und bieten Fußgängern und Radfahrern bequemen Zugang. An der anderen Seite des Erlebniszentrums verläuft die Autobahn E6. Auch von dort kann man im Vorbeifahren einen Blick ins Innere des Erlebniszentrums erhaschen. 

„World of Volvo“ setzt ein (Wahr)Zeichen

Wieviel Besucher von Volvos neuem Schmuckstück sehen und auf welche Art sie es erkunden wollen, bleibt jedem selbst überlassen. Was der Auftraggeber will, steht indes fest. Und „World of Volvo“ CEO Magnus Wrahme formuliert es so: „Wir verpflichten uns, ein Wahrzeichen, eine neue Ikone und eine Destination im Stadtzentrum von Göteborg zu errichten. Zudem verpflichten wir uns, einen inspirierenden Treffpunkt zu schaffen, der den mensch-zentrierten Ansatz und die Perspektiven von Volvo widerspiegelt“. 

Autogeschichte, im nachhaltigen Holzbau ausgestellt: Henning Larsens Design führt Vergangenheit und Zukunft in einem Bauwerk zusammen. (Bild: KVANT)
Autogeschichte und Zukunft, im nachhaltigen Holzbau ausgestellt: Henning Larsens Design führt Gestern und Morgen in einem Bauwerk zusammen.

Das mehrfach preisgekrönte Büro Henning Larsen hat Erfahrung mit zukunftsorientierten Holzprojekten. Aufsehen erregende Konzepte wie das urbane Holz-Dorf „Fælledby“ in Kopenhagen belegen die Expertise des Architektenteams. Und dass Nachhaltigkeit den innovativen Dänen wichtig ist, zeigt ihr (übrigens auch kreisförmiges) Design des neuen Convention Center im chinesischen Pujiang.

Vom Autobau zum Klimaschutz

Während der bunte, nachhaltige Erlebnispark des schwedischen Fahrzeug-Konzerns nach Henning Larsens Plänen wächst, geht ein anderer Autohersteller noch weiter: Toyota werkt mit dem ebenfalls dänischen Büro BIG in Japan gar gleich an einer ganzen Stadt. 71 Hektar groß, emissionsfrei und energieautark soll diese werden. Ein nicht ganz unumstrittenes Projekt, das allerdings bereits gestartet wurde. Die „World of Volvo“ wird wohl deutlich früher fertig werden. Und egal, wie groß oder wie visionär: Schon die Tatsache, dass Fahrzeughersteller sich zusehends und offenbar ernsthaft mit Umweltschutz befassen, macht Freude.

Text: Elisabeth Schneyder
Bilder: Henning Larsen, KVANT

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